Teil 5: Japanische Räucherstäbchen im täglichen Leben

Wie man japanische Räucherstäbchen verwendet

Japanische Räucherstäbchen im Alltag

Der Anblick des feinen, sanft aufsteigenden Rauchs eines brennenden Räucherstäbchens ist so beruhigend wie das Rauschen des Meeres und es ist kaum möglich, dabei negativen Gedanken nachzuhängen. Die Handlung selbst ist eine kleine Zeremonie.

Das japanische Räucherstäbchen enthält keinen “Stab” in der Mitte. Daher lässt sich das Räucherstäbchen leicht auf die gewünschte Länge brechen, bevor es angezündet wird. In der Standard-Länge beträgt die Brenndauer ca. 20-30 min, aber viele Sorten sind auch als „Long Sticks“ erhältlich, die ca. 1 Stunde Duft verbreiten.

So zündet man ein Räucherstäbchen richtig an

Man zündet das eine Ende des Sticks an und schüttelt ihn nach oder zwei Sekunden oder man bläst die Flamme aus, so dass nur die zarte Glut übrigbleibt. Zum Anzünden nimmt man besser ein Feuerzeug statt Streichhölzern, um nicht durch einen starken Schwefelgeruch gestört zu werden.

Das Räucherstäbchen kommt in einen Halter. Die Japaner verwenden oft den kleinen Würfel mit Loch, der in den meisten Räucherstäbchen-Packungen enthalten ist. Er wird auf einem kleinen Keramikteller, einer Platte oder in einem Rauchgefäß aufgestellt. Alternativ wird der Stick in ein mit Asche gefülltes Räuchergefäß gesteckt.

Das Räucherstäbchen wird in der Mitte des Raumes oder in einer Ecke platziert. Man sollte vermeiden, direkt daneben zu sitzen. Die beste Art und Weise Räucherstäbchen zu erleben ist es, zunächst den fein wabernden Rauch aus der Ferne zu beobachten und zu erleben, wie sich der zarte Duft im Raum ausbreitet und noch lange nachwirkt, nachdem das Stächen verbrannt ist.

Wann Räucherkegel statt Räucherstäbchen besser passen

Einige japanische Räucherdüfte sind auch als Räucherkegel erhältlich. Diese Kegel brennen schnell und mit einem starken Duft und haben den Vorteil, keine Asche zu verstreuen. Sie sind für größere Räume geeignet, weil ihr Duft intensiver ist. Sie funktionieren wie Räucherstäbchen, indem man die Spitze anzündet, die Flamme ausbläst und denn den Kegel auf eine nicht brennbare Oberfläche stellt.

Die Kegelform findet sich auch in den japanischen Zen-Gärten, wo der wellenförmig gestaltete Kies das Meer symbolisiert, aber auch als Kegel geformt sein kann, um die Berge zu symbolisieren. Der Rauch des Räucherkegels versinnbildlicht in Japan die Wolken um den Berggipfel.

Japanisches Räucherwerk im Alltag: Räucherkegel
Räucherkegel im Alltag, z.B. Aloeswood aus der Kayuragi-Reihe

Man sollte in beiden Fällen einen Luftzug vermeiden, z.B. durch ein offenes Fenster, und die brennenden Räucherkegel außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren halten.

10 Tipps für Räucherstäbchen im Alltag

1. Begrüßung von Gästen

In Japan ist es ein Zeichen der Gastfreundschaft, ein wenig Räucherduft im Eingangsbereich zu verbreiten, um eine entspannte Atmosphäre zu schaffen – und einen guten Appetit.

2. Einen Raum für die Meditation schaffen

Wenn wir meditieren, sind unsere Augen geschlossen und nur das Hören und Riechen sind aktiv. Und gerade über diese beiden Sinne können wir das Erreichen eines tiefen meditativen Zustands anregen, z.B. indem wir Räucherstäbchen verbrennen und meditative Musik einschalten. Zeit für Kontemplation und innere Einkehr.

3. Parfümierte Kleidung

In Japan war es früher üblich, einen Ständer im Haus zu haben, an dem man Kimonos aufhängt und einen Räucherstäbchenhalter darunter stellt. Der feine Räucherduft wurde später beim Tragen der Kleidung als feines und subtiles Parfüm freigesetzt.

4. Das Zuhause beleben

Man kommt in ein Sommerhaus, das den ganzen Winter über leer gestanden hat. Oder man kommt nach einem langen Urlaub nachhause. Das Haus wirkt tot und unbewohnt. Die Luft ist stickig. Oft dauert es ein oder zwei Tage, bis man sich sortiert hat und das Haus wieder mit Leben erfüllt ist. Es gibt nichts Besseres als Räucherduft, um ein Haus zu beleben, das lange Zeit leer stand.

Das Zuhause mit dem Duft japanischer Räucherstäbchen beleben
Das Zuhause mit dem Duft japanischer Räucherstäbchen beleben, z.B. Aqua aus der raucharmen Serie Ka Fuh von Nippon Kodo.

5. Einen unerwünschten Geruch vertreiben

Erster Schritt: Reinigen. Aber wenn das nicht ausreicht, dann ist das Räuchern das perfekte Mittel. Manchmal beseitigt Räucherduft den unerwünschten Geruch sogar dauerhaft, denn das Feuer im Räucherstäbchen und die feinen Räucherzutaten haben auch eine reinigende Wirkung.

6. Raumreinigung bzw. Spaceclearing

Räucherwerk kann mit großer Effizienz und auf sehr einfach Weise eingesetzt werden, um die Energie in einem Raum zu reinigen (Spaceclearing), z.B. ein Haus oder eine Wohnung vor dem Einzug, ein Wartezimmer beim Arzt, ein Besprechungsraum für viele verschiedene Menschen oder ein Raum, in dem viel Kummer oder eine Auseinandersetzung stattgefunden hat.

Es gibt viele Techniken zum Spaceclearing, aber eine der einfachsten ist die Verwendung von Räucherduft. Man schließt die Fenster und stellt Räucherstäbchen in alle Ecken und in die Mitte des Raums – oder geht mit dem Stäbchen durch den Raum. Ein guter Zeitpunkt ist “nach Feierabend”, wenn man entspannt ist. Am nächsten Morgen wird alles gut gelüftet und schon ist die Energie wieder frisch und rein.

Ideal für die energetische Raumreinigung sind Düfte wie Weihrauch (z.B. Frankincence aus der Serie Morning Star), Lavendel (z.B. aus der Reihe Herb & Earth), Salbei (White Sage aus der Reihe Herb & Earth) und Sandelholz (z.B. aus der Serie Kayuragi).

7. Ein entspanntes Bad

Ein warmes Bad mit duftenden Ölen und der Duft des Lieblings-Räucherstäbchens – Genuss pur!

Japanische Räucherstäbchen: Ideal für ein entspannendes Bad, z.B. mit dem Duft von Zeder oder Grünem Tee aus der Reihe Morning Star von Nippon Kodo.
Ideal für ein entspannendes Bad: der Duft von Zeder oder Grünem Tee aus der Reihe Morning Star von Nippon Kodo.

8. Müdigkeit am Nachmittag beseitigen

Wenn am späten Nachmittag die Müdigkeit eines Arbeitstages aufkommt und man versucht ist, seine Energie durch Snacks anzuheben, kann der richtige Zeitpunkt für einen belebenden Räucherduft gekommen sein, z.B. Zeder oder Yuzu-Zitrus.

9. Guten-Morgen-Duft

Mit dem Duft von frischem Kaffee aufzuwachen ist für viele eine wunderbare Erfahrung. Man kann aber auch sein Lieblings-Räucherstäbchen wählen, das einen am Morgen begrüßt. Ein schönes kleines Morgenritual und ein guter Start in den Tag.

10. Yoga, Tai Chi, Qigong

In Verbindung mit Meditation in Bewegung schafft Räucherduft das perfekte Ambiente, das helfen kann, die meditative Energie aufrecht zu halten.

Richtige Aufbewahrung von Räucherstäbchen

Räucherwerk kann bei richtiger Lagerung jahrelang halten. Wie bei Wein kann man erleben, dass Räucherstäbchen reifen und über die Zeit ihren Duft verfeinern. Die Stäbchen und Räucherkegel lagert man am besten fern von Sonnenlicht an einem kühlen, dunklen Ort in einer Schublade oder in einem Schrank und am besten in der Originalverpackung. Die Aufbewahrung in Plastikbeuteln ist nicht empfehlenswert, das Plastik oft Erdöl enthält, was die ätherischen Öle in den Räucherstäbchen zersetzen kann.

Man kann den Duft einer Packung Räucherstäbchen auch genießen, ohne sie zu verbrennen. Wenn man die Schachtel ohne Deckel in einen Schrank stellt, verbreitet sich der Duft von selbst und man hat so gut wie nichts von dem Duft der Sticks verbraucht, kann aber im Gegenzug den zarten Duft in der Kleidung oder im Raum genießen.

japanische-raeucherstaebchen-richtig aufbewahren
Räucherstäbchen in der Schublade verbreiten ihren zarten Duft im Raum (z.B. Aloeswood der Serie Oedo-Koh).

Wie viel Rauch soll das Räucherstäbchen abgeben?

Die meisten Räucherstäbchen anderer Kulturen geben stets Rauch ab beim Verbrennen. Aber mit japanischem Räucherwerk hat man die Wahl: Es gibt Räucherstäbchen fast ohne Rauch und Räucherstäbchen mit einem unterschiedlichen Grad an Rauch.

Der Rauch ist eine bewusste Eigenschaft des japanischen Räucherwerks und es ist eine Frage des Geschmacks, was man bevorzugt. Die Statistik zeigt, dass die Bewohner im nördlichen Teil Japans oft die raucharmen Räucherstäbchen bevorzugen, während im übrigen Teil des Landes eher Sticks mit Rauch bevorzugt werden.

Räucherstäbchen ist nicht gleich Räucherstäbchen

So wie es viele Kaffee- und Teesorten gibt, so gibt es auch viele Varianten von japanischen Räucherstäbchen. Es ist sogar so, dass es selbst innerhalb einer bestimmten Duftrichtung, wie z.B. Sandelholz, viele Varianten gibt.

Das liegt einerseits an der unterschiedlichen Qualität der Rohstoffe. Sie reicht von eher alltäglichen Qualitäten bis hin zu ganz erhabenen und seltenen Rohstoffen, die eine ganz besondere Gelegenheit verdienen für ihren Einsatz. Andererseits kann es Räucherstäbchen mit nur einer einzigen Zutat geben oder eine Duftkombination, zum Beispiel mit Kräutern aus der traditionellen chinesischen Medizin TCM oder mit sanften Blumendüften, die bestimmte Dufteigenschaft betonen.

Und schließlich gibt es auch Unterschiede in der Herstellungstechnik, die die japanischen Räuchermeister für jede einzelne Sorte entwickelt haben. So kann es Besonderheiten geben, wie die Düfte freigesetzt werden und wie sich der Rauch entwickelt. Es gibt Tausende von Faktoren zu entdecken!

Erhabene japanische Qualität der Räucherstäbchen

Die japanischen Räucherstäbchen sind von einem gänzlich anderen Kaliber als Stäbchen aus anderen Kulturen. Nicht nur in Bezug auf ihre Reinheit und die Qualität der Rohstoffe, sondern auch in Bezug auf die Handwerkskunst und Verarbeitung.

Im Gegensatz zu anderen Kulturen enthalten japanische Räucherstäbchen kein Stäbchen in der Mitte, sondern bestehen nur aus Räucherzutaten. Eine Ausnahme ist die Serie “Herb & Earth“, die ein Bambusstäbchen enthält. Bambus ist ein Holz, dass aufgrund seiner süßen Natur bei Insekten beliebt ist, die gerne ihre Eier dort ablegen. Um das zu verhindern, tauchen andere Kulturen das Holz in Kerosin, bevor es mit den Räucherzutaten umhüllt wird.

Japanische Räucherstäbchen im Alltag: Rosenduft aus der Serie Herb & Earth von Nippon Kodo
Japanische Räucherstäbchen im Alltag: Rosenduft aus der Serie Herb & Earth von Nippon Kodo

Nicht so der japanische Hersteller Nippon Kodo, der fast schon als Demonstration seiner technischen Überlegenheit eine Methode entwickelt hat, mit der man den Bambus vor dem nächsten Verarbeitungsschritt in Wasser kocht. So wird sichergestellt, dass das Holz frei von Schädlingen ist.

Im Ergebnis enthält das fertige Räucherstäbchen nur die feinen Räucherzutaten und keine chemischen Nebenprodukte, die beim Verbrennen freigesetzt werden können. Hinzu kommt, dass die Serie “Herb & Earth” kaum Rauch entwickelt beim Verbrennen, sie ist “less smoke” und bietet fast nur reinen Duft. Japanische Akribie und Produktentwicklung in seiner besten Form.

Menü